Freitag, 21. November 2025
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Es war absehbar und ging dann doch ganz schnell. Von jetzt auf nachher wollen die Hinterbeine nicht mehr. Sie schien keine Schmerzen zu haben, aber vielleicht war es auch einfach die Überraschung über dieses neue Phänomen.

Den restlichen Morgen verbrachte sie in ihrem Häuschen, dem direkt hinter dem Sessel, auf dem sie in letzter Zeit so oft und gerne lag und ich nun saß und auf den Termin am Nachmittag wartete. Um 14.10 Uhr stellte ich die Transportbox in den Flur. 5 Minuten später kam sie schwerfällig aus ihrem Häuschen und wollte auf den Schoß. Der Blick war abwesend, aber ein leises Schnurren kam beim Kraulen. Und sie wurde ausgiebig gekrault. Im Nachhinein war das wohl unser Abschied.

Beim Tierarzt selbst war klar, was kommen wird. Die Tierärztin hob sie aus der Box, dann lag die Katze völlig fertig auf dem Tisch. Kein Mucks beim Fiebermessen, sie war einfach nur platt und müde. Ein bisschen gelblich wirke sie, sagte die Tierärztin und dann besprachen wir die Optionen, die keine waren. Blutnehmen und das "volle Programm" mit Bluttransfusionen und anderem schweren Geschütz. Wir hatten aber mit dem hochdosierten Kortison schon die großen Waffen ausgepackt und sie hatten nicht geholfen. Die andere Möglichkeit wäre, sie gehen zu lassen.

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Ob die Narkose wirkt, ist nicht auf Anhieb ersichtlich. Sie liegt ohnehin nur da und bewegt sich fast nicht. Die Augen bleiben die ganze Zeit offen, bekomme ich später erklärt. Das wusste ich nicht. Ich streichle sie ausgiebig, meine Tränen tropfen auf ihr Fell. Man hat mich alleine mit ihr gelassen. Ich bin nah an ihre Kopf, flüstere ihr zu, dass sie nun schlafen darf. Zwischendurch kommt die Ärztin wieder rein und spritzt eine weitere Dosis. Nach der dritten Injektion hat das Herz aufgehört zu schlagen. Ich bleibe noch eine Weile mit ihr alleine. Dann nehme ich die Box und verlasse das Zimmer. Die Box ist ganz leicht. Und sie stinkt; zum Abschied hat sie noch auf das Handtuch darin gepinkelt. Das ist mein Mädchen, eine Rebellin bis zum Schluss.

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Wir hatten schon vor der ersten Spritze besprochen, wie der weitere Ablauf sein soll. Ich unterschreibe die Formalien, möchte noch bezahlen, denn auch hier ist der Tod nicht umsonst, aber es geht nicht. Die Telefone funktionieren weiterhin nicht und somit ist auch keine Kartenzahlung möglich. Ich kriege die Rechnung per Email, sagt die junge Frau hinter der Theke. Dann stehe ich vor der Tür, packe die leere, stinkende Transportbox ins Auto und fahre nach Hause. Die kleine Katze ist irgendwo im Haus und chillt. Sie ist jetzt die Alleinherrscherin hier, aber das weiß sie noch nicht.

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Mach es gut, Schönheit. Da oben gibt es bestimmt so richtig kuschelige Wolken, auf denen Du herumfläzen und zuschauen kannst, wie ich Dir hier unten vermisse.

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