Dienstag, 7. Juli 2026
Besuchszeit

Im Liegen ist es ein Drama, da sieht er aus wie nach einem kürzlich erlittenen Schlaganfall. Im Sitzen, so scheint es, ordnet sich alles, die Organe rutschen an ihren angestammten Platz und atmen ist wieder möglich. Der Weg zum Sitzen ist allerdings noch ein anstrengender. Für alle Beteiligten. Aber das Ziel ist, dass das von Tag zu Tag besser wird.

Die Therapeutin kommt und er muss aufstehen. Der massige Körper wird dazu ein paar Mal vor und zurück geschwungen, die Wucht des letzten Schwungs dann genutzt, um auf die Beine zu kommen. Den Rollator fest im Griff sollen nun die Beine nacheinander gehoben werden. Nach der dritten Wiederholung mit Blick in den Spiegel, damit der Oberkörper sich aufrichtet. Gegen Ende klappt das alles ganz gut, die Therapeutin ist zufrieden und auch der Bettnachbar schaut anerkennend. Mein Scherz, dass sie bald für die Nationalmannschaft spielen könnten, wenn sie so weiter trainierten, denn viel schlechter wären sie sicher auch nicht, wird schmunzelnd zur Kenntnis genommen. Erst später fällt mir ein, wie unpassend das war, hat der Bettnachbar doch nur noch ein Bein. In einem Krankenhaus muss man auf alles gefasst sein. Mit der Nationalmannschaftskarriere wird es also eher nichts; da könnte auch ein Anruf von Fritze Merz nichts ausrichten.

Irgendwann kommt doch noch eine junge Ärztin und erläutert den Stand der Dinge. Endlich gibt es Informationen und vor allem sind einige Ängste nun passé. Von gut kann weiterhin keine Rede sein, aber die Zeit der Panik ist vorerst mal vorbei. Nun gilt es am Status Quo zu arbeiten, die Basis zu verbessern, Grundlagen zu schaffen, an denen man zuhause weiterarbeiten kann. Auch hier gilt es, den Schwung des Schocks mitzunehmen, Dinge anzugehen, die vorher noch abgetan wurden sind nun im Gespräch und vielleicht hat das Ganze dann doch sein Gutes. Man wird sehen.

Der Körper arbeitet auch in anderen Belangen auf Sparflamme. Deshalb gab es ein unscheinbares Tütchen mit einem Pulver, welches man in Wasser aufgelöst zu sich nehmen solle. Er ist also soweit sich auch diesbezüglich helfen zu lassen. Der Bettnachbar sagt, dass sei auch bei ihm ein Problem gewesen. Er erläutert das sehr anschaulich, auch den Einsatz des Fingers der Pflegerin. Man war geneigt, ihm zur erfolgreichen Behandlung zu gratulieren, aber nach dem Fußball-Faux-Pas habe ich das lieber unterlassen. Ob das Pulver seine Wirkung entfaltet hat, werde ich heute erfahren. Hoffentlich nicht in so schillernden Farben, aber interessieren tut es mich schon.

Am Abend kommt ein Foto via WhatsApp. Er sitzt am Bettrand (er soll das unbedingt auch so tagsüber immer wieder üben, meinte die Therapeutin), ganz stolz. Eine asiatische Pflegerin, seine Lieblingspflegerin macht einen Selfie mit ihm und er lächelt. Wie schön.

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