Samstag, 21. April 2012
Aprilwetter

Mag ja sein, dass es in California niemals regnet, aber hier und das den ganzen Tag schon ziemlich ausgiebig. Zwischendurch scheint mal wieder die Sonne, dann wird es schlagartig sehr dunkel und schwupp ist der Regen wieder da. April halt. Und eigentlich perfekt, um gammelig zuhause abzuhängen, gar nichts zu tun, außer ab und an nach draußen zu schauen und zu denken: "Boah, ein Glück bin ich hier drinnen" und dann weiter rumzugammeln. Hat die meiste Zeit des Tages auch wunderbar geklappt, aber nachher muss ich dann doch noch raus. Eine Besprechung, die zwar bestimmt lustig wird, aber halt eben nicht hier drinnen ist. Hätte man gewusst, was für ein Siffwetter heute ist, hätte man das ja sogar arrangieren können, aber das konnte ja niemand ahnen. Außerdem wäre ich bei der Zubereitung von Tapas an meine Grenzen gestoßen; das können die Leutchen, wo wir hingehen, hoffentlich besser. Wenn nicht, bin ich dezent sauer. Und dann trinke ich denen das ganze Bier weg! So!

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Freitag, 20. April 2012
2810

Ich habe einen neuen Kunden. Ein Startup-Unternehmen mit noch geringen Mitteln, aber Unmengen an Motivation. Startup-Unternehmen versprühen einen gewissen Charme - solange sie in nicht in bestimmten Vierteln in Hamburg oder Köln beheimatet sind und die Geldgeber keine substantiellen Arschlöcher ohne Gewissen, dafür mit halbseidenem Charakter sind. Meines Wissens gibt es hier aber keine ominösen Venture-Nasen im Hintergrund und der Laden sitzt in Berlin. Wunderbare Vorraussetzungen also. Meine aktuelle Ansprechpartnerin dort ist eine Amerikanerin; zumindest nehme ich das aufgrund des Namens und des Akzents an. Außerdem beginnt sie jedes Telefonat mit den typisch amerikanischen Floskeln. Wie geht es Ihnen? Wie ist das Wetter bei Ihnen? Wie war das Wochenende. Und typisch amerikanisch ist sie auch gar nicht böse, wenn man das kurz und knapp durchspielt und dann direkt aufs eigentliche Anliegen umschwenkt.
In Startups geht es manchmal auch etwas chaotisch zu und oft sind da Leute mit ihm Spiel, die auf wasfüreineartauchimmer an ihre Jobs gekommen sind. Zu Anfang wirkt das wie ein gewaltiges Learn-by-Doing an allen Ecken und Enden, was zwar sympathisch rüberkommt, aber auch anstrengend sein kann. Vor allem, wenn die Leute etwas machen, was sie eigentlich gar nicht so wirklich können, dafür aber vorgeben, es zu können, in der Angst, dass sie auffliegen. Nun geht es bei unserer Zusammenarbeit um nichts Dramatisches wie Sicherheitsventile für Atomkraftwerke oder Inkubatoren für sterilste High-Tech-OP-Säle. Insofern stört es mich auch nicht allzu sehr, wenn sie behauptet, dass sie beispielsweise von HTML natürlich ganz viel Ahnung habe, aber im zweiten Satz fragt, was das für Zahlen da links in ihrem Texteditor seien. Oder warum diese Zahlen in einem anderen Editor pötzlich weg sind (sie scheint sich in den zehn Minuten schon daran gewöhnt zu haben, nachdem es ihr zu Anfang völlig fremd war). Und wie man das jetzt als HTML-Datei speichere. Alles eher suspekte Fragen, wenn man doch eigentlich Ahnung hat. Insofern ist man insgeheim froh, dass es wirklich nicht um Sicherheitsventile oder Inkubatoren geht. Sowas würde ich ungern am Telefon erklären müssen, ohne zu sehen, was mein Gegenüber gerade wie wo macht.

So oder so habe ich im Gespräch immer mal wieder durchblicken lassen, dass es eigentlich viel besser wäre, wenn ich mal vorbeikäme, damit man das alles in einem Workshop durchspielt. Da bleibt alles viel besser im Gedächtnis und überhaupt ist es doch extrem wichtig, dass man sein Gegenüber mal persönlich kennenlernt. Und so. Mit etwas Glück springt also demnächst ein Tag Berlin bei raus.

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Donnerstag, 19. April 2012
2808

In der Spelunke arbeitet jetzt eine Fachkraft. Das Etablissement, in dem sie bisher arbeitete, ging pleite und irgendwie hat irgendeiner der Stammgäste sie nun hier untergebracht. Es ist ungewohnt, wenn das Bier plötzlich auf einem Tablett serviert und direkt nach einer Essenbestellung schon das Besteck auf dem Tisch bereitgelegt wird. Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte sogar sein, dass die Papierservietten vorher gebügelt wurden.
Und sie macht es, wie es Fachleute und Fachfrauen in der Gastronomie machen, wenn sie gutes Trinkgeld wollen: bei der Bluse sind gerade soviel Knöpfe geschlossen, um der Schwerkraft noch einigermaßen Genüge zu tun. Das sorgt für freudige Blicke beim Servieren.

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Donnerstag, 19. April 2012
2807

Nächste Woche schon wieder ein Notartermin und ich habe nicht den leisesten Schimmer, um was es da geht. Aber da ich meine Eltern mehr auf dem Konto haben als ich, gehe ich schwer davon aus, dass ich nicht von ihnen übers Ohr gehauen werde. Wäre ja nicht sonderlich schlau.

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Heute - wieder einmal - erfahren, dass man mich beim Nervkunden nicht mag. Das liegt daran, dass ich mich immer wieder erdreiste, getroffene Zusagen auch einzufordern. Das mögen die dort nicht so. Denen ist lieber, sie können im Beisein der hohen Herren alles mögliche versprechen und danach bleibt alles beim alten und bei Fehlern wird der Dienstleister angepinkelt. Insofern dürfen diese Nasen mich gerne nicht mögen. Beruht ja auch auf Gegenseitigkeit: ich mag ahnungslose Nichtskönner nämlich auch nicht; zumindest nicht, wenn sie vorgeben, es doch zu können.

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Mein Backofen geht wieder in die Knie. Das gleiche Problem wie beim letzten Mal: das Bedienfeld lässt sich nicht mehr bedienen. Zumindest nicht vollständig. Das letzte Mal kostete die Reparatur um die drei-, vierhundert Euro. Das ist es definitiv nicht wert. Leider, so meine ich zumindest, ist die Reparatur so lange her, dass es wohl nicht mehr unter die Garantie fällt. Also wird es wohl auf einen neuen Backofen rauslaufen ...falls das Finanzamt bald mal in die Puschen kommt und ganz viel Geld zurück überweist. Ich habe aber auch schon meine Fühler ausgestreckt: ich kriege Prozente beim Discounter und auch zwecks Einbau könnte man was machen. Vielleicht legen die noch einen Gasherd drauf. Und eine Playstation. Und... neee, eigentlich würde ein Backofen reichen.

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Der Kommentator auf SF2 klingt wie Kurt Felix.

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Dienstag, 17. April 2012
2806

Es gibt sie, diese kleinen Glücksmomente: der erlösende Orgasmus, das Gefühl endlich pinkeln zu können, nachdem man lange draussen unterwegs war (am Schönsten, wenn es draußen kalt und in der Toilette warm ist), der erste Schluck Wasser am Morgen nach einer durchzechten Nacht, die dochnichtsoschlechte Note bei einer Arbeit, für die man kein bisschen gelernt hat, der erste Bissen einer selbstgekochten Mahlzeit, der dann auch noch grandios schmeckt, der Geruch im Innern eines neuen Autos, das blinde Ertasten einer fremden Zunge mit der eigenen, das Lachen eines Kindes, das Adrenalin bei 280 km/h, die Lichter einer Großstadt von oben, der Hauch des Parfums einer bestimmten Person ...und auf jeden Fall der Moment, nachdem alle Termine auf dem Urlaubsschein unterschrieben wurden.

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