Mittwoch, 22. April 2026
Die Leiter, die Säge und ich

Früh im Bett gewesen, noch ein paar Seiten gelesen, aber dann Licht aus und geschlafen. Ging einigermaßen gut. In der Nacht kam die kleine Katze, so wie jede Nacht. Sie kuschelt kurz in den Arm und dann war es das auch. Heute entschied sie sich zu bleiben und legte sich ans Fußende. Auch okay. Allerdings meldete sich meine Blase zu Wort und forderte ihr Recht auf Entleerung ein. Eigentlich wäre dann wieder Schlafen angesagt gewesen. Ging aber nicht. Somit bin ich nun also seit halb Fünf wach. Mein Schlafscore wird unterirdisch sein, aber egal. Noch kurz auf die Waage (Seufz), dann in die Küche und Kaffee gemacht, MoMa lief noch nicht, der Sessel war trotzdem bequem. Es zieht ein bisschen im Wohnzimmer. So langsam zerbröselt das Haus an allen möglichen Stellen. Das ist aus zeitlicher Sicht okay, aber wenn es nach mir und meinem Nervenkostüm ginge, müsste das nicht sein. Das interessiert aber den Zerfall nicht, der geht seinen Weg und zeigt die Zähne der Zeit.

Der Arbeitsplan für heute ist grob gemacht, aber eigentlich ist eh schon klar, dass daraus nichts wird, weil irgendwas immer ist und ein paar der Irgendwasse schon in Lauerstellung sind. Insofern ist der heutige Plan nur ein hellroter, quasi ein rosa Faden, aber immerhin ist er da. Er wird keinen Halt geben, aber aufzeigen, was hätte sein können. Ich werte das als Trost.

Für die Mittagspause ist ein Lauf geplant. In der Sonne, ganz gechillt. Das wird schön, da freue ich mich drauf. Und nach Feierabend ruft der Garten. Das wird nicht so schön, da freue ich mich auch nicht drauf, aber muss halt auch gemacht werden.

Überhaupt drücke ich mich viel zu oft und viel zu sehr vor den Dingen, den gemacht werden müssen. Prokrastination ist mein zweiter Vorname, eigentlich sollte ich mir den in den Pass eintragen lassen, aber das schiebe ich vor mir her.

Im Garten liegen ganz viele Dornenäste von den Brombeeren. Die müssen in kleine Stücke geschnitten und in Säcke gepackt werden. Außerdem muss die Hecke final geschnitten werden. Die Säge kam da an ihre physikalischen Grenzen und ich auf der wackeligen Leiter auch, aber hilft ja nix: Da müssen wir durch, die Leiter, die Säge und ich. Klingt wie ein Roman aus den 80ern: Die Leiter, die Säge und ich.

Außerdem auch dem (persönlichen, nicht dem Arbeits-) Plan: Bei dem Stromversorger anrufen, damit die das endlich mit dem Zähler geregelt bekommen. Der Installateur sagt: Alles erledigt, seine App zeigt: Alles erledigt. Meine App sagt: Es fehlen noch Unterlagen vom Installateur, der Strombetreiber sagt: Es fehlen noch Unterlagen vom Installateur, aber man solle doch mal direkt bei der Technik nachfragen, einen Moment, man verbinde (das war am Montag)... dann flog ich aus der Leitung mit der Bandansage, dass man außerhalb der Arbeitszeiten anriefe; diese seien Montag bis Donnerstag von 8 bis 13 Uhr. Auf Nachfrage bei der Hotline (die, die sagten, dass noch Unterlagen vom Installateur fehlen würden, aber man verbinde mich mit der Technik) sagte man mir, dass die Technik eigentlich noch da sein sollte; die arbeite bis 14 Uhr. Tut sie aber nicht oder zumindest tut sie es nicht via Telefon. Jedenfalls steht heute ein neuer Versuch an. Gleich nachher um 8 Uhr. Bin gespannt. Man könnte meinen, dass Gas-Kathi Reiche dort persönlich die Anrufe wegdrückt.

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Dienstag, 21. April 2026
In vollen Zügen

Ein Tag mit einer Überdosis Menschen. Am Morgen ein ICE mit vielen Fahrgästen, ich entschied mich auf einen Stehplatz zwischen den Wagons, die S-Bahn war völlig überfüllt, wieder ein Stehplatz (diesmal ungewollt), dicht gedrängt und viel zu warm, im Büro dann wieder viel zu viele Leute und jeder wollte irgendwas. Immerhin die Heimfahrt war entspannt. Für das letzte Stück entschied ich mich zehn Minuten zu warten, um die leerere Regionalbahn statt der vollen S-Bahn zu nehmen. Zuhause nochmal kurz in den Home Office Modus gewechselt, aber sehr froh um die Ruhe gewesen, die hier herrscht.
Solche Tage sind anstrengend. Früher machte mir sowas nichts aus, heute bin ich extrem genervt von diesem Zuviel von allem.

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Jens Riewa hat eine neue Brille. Jetzt sieht er aus wie ein Nerd aus einer schlechten 90er-Jahre-Teeniekomödie.

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Viel Zeit in vollen Zügen zu verbringen hat immerhin einen Vorteil: Man kann nicht nebenher arbeiten und lesen ist ohne Sitzplatz auch doof - deshalb bin ich nun fast up-to-date in meiner Podcast-Playlist.

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Müde.

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Montag, 20. April 2026
Bier & Wandern

Wassertrinkend an einer Bierwanderung teilzunehmen ist nur im ersten Drittel amüsant. Dann ändert sich vieles: Der Humor, die Stimmungslage der Teilnehmenden und gestern auch das Wetter. Letzteres zeigte sich aprilig; es war warm, kalt und ein bisschen feucht und das alles im schnellen Wechsel. Man kam im Klamottenwechsel (die im Zwiebellook angelegt waren) gar nicht hinterher.
Am Ende waren es immerhin zehn Kilometer, meine direkten Mitläufer waren noch guter Dinge, andere teilweise nicht mehr. Aggressionen über die vermeintlich falsche Bundesligamannschaftenvorliebe usw. inklusive. Spuren von Rassismus kamen natürlich auch durch und überhaupt waren es viel zu viele Menschen. Aber immerhin den faulen Hintern bewegt und nicht nur auf der Couch abgehangen, wobei mir nicht so ganz klar ist, wo dabei der Fehler liegen sollte. Nachdem man vorher zwei Tage lang einen Garten auf Vordermann (bzw. in diese Richtung) gebracht hat, sollte man sich das doch eigentlich verdient haben. Es sollte aber nicht so sein. War wahrscheinlich zur Übung für den August, wo man mich auf eine "Malle-Party" mitschleppt. Ich habs echt nicht leicht.

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Wäre bereit für Wochenende. Ein erholsames.

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Samstag, 18. April 2026
Flammen werfen und Hochentasten

Zwei Tage hintereinander Gartenarbeit. Das geht ganz schön in die Arme. Und Beine. Und eigentlich überall rein.

Die Arme wurden wegen Hochentastungstätigkeiten in Mitleidenschaft gezogen. Die Thuja-Hecke ist zu hoch und soll deshalb oben gekappt werden. Das wurde sie schon lange nicht mehr, deshalb sind die Auswucherungen stark und kräftig und zwar in einem Ausmaß, dass man mit einer Heckenschere nicht weit kommt. Dafür habe ich aber einen Hochentaster, also ein Teil, das Äste hoch oben den Garaus macht. Letztlich ist es eine Säge an einer Stange. Das klappt an einem Baum mit horizontal wachsenden Ästen sicher wunderbar, an der Hecke wächst aber alles nach oben und die Säge ist zwar klappbar, aber nicht zur Seite. Ich kann also nicht vom Boden aus die Spitzen kappen. Das geht nur mit einer Leiter.

Meine Leiter ist der wackelig und der Untergrund nicht eben. Das hat was von Circe de Soleil, wie ich da oben stehe, eine Säge an einem langen Stil in der Hand und auf der Wackelleiter balancierend versuche, die Hecke in Form zu bringen. Es klappt nur leidlich. Da die Säge am schwersten ist, ich habe die Stange weit hinten nehmen muss, damit die Säge auch weit nach hinten bei der Hecke kommt, ist der Schwerpunkt ungünstig und es fühlt sich an wie Krafttraining, was es letztlich auch ist. Ich warte auf die Schreie des Drill Sergeant, der brüllt, ich solle mich nicht anstellen wie ein Mädchen und ob ich mir von einer Säge sagen lassen möchte, ich sei ein Schwächling und ich würde am liebsten Zurückbrüllen, er solle seine Scheisssäge nehmen und sie sich sonstwohin stecken und die doofe Hecke gleich dazu, aber da ist niemand, es sind nicht mehr Stimmen im meinem Kopf als üblich und ich säge halt Stück für Stück vor mich hin, so lange bis der Akku der Säge leer ist, wofür ich fast ein bisschen dankbar bin.

Heute war es einfacher: Da habe ich "geflammt". Wenn Rammstein mal einen Flammenwerferbediener für die nächste Tour sucht - ich bin bereit. Dann kann ich auch gleich mal schauen, ob es diese ominöse Kabine unter der Bühne immer noch gibt und mache Alterskontrolle bei der Row Zero, die es ziemlich sicher weiterhin gibt. Von den Aftershow-Partys werde ich allerdings nichts mitkriegen; da liege ich schon längst im Bett. Flammen werfen ist nämlich auch nicht ohne. Es ist nicht ganz so armmuskelfordernd wie Hochentasten, aber müde bin ich nun auch.

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Freitag, 17. April 2026
Ganzkörperlatexanzug vs. Brombeeren

In der Mittagspause ein Siebenkilometerlauf, abends nach der Arbeit noch über eine Stunde im Garten gearbeitet... es ist ja nicht so, dass es an Bewegung fehlen würde, aber die Waage... ach, lassen wir das.

Der Garten. Es gibt da eine Thuja Hecke, die ziemlich hoch ist. So hoch, dass man ohne Leiter nicht nach oben kommt. Auf der anderen Seite ist der Garten der Nachbarn und die haben, so scheint es, Brombeeren. Sollte jemals die Welt untergehen, falsch, WENN die Welt untergeht (mittlerweile bin ich mir fast sicher... dauert nicht mehr sooo lange), werden neben Kakerlaken, Ratten und Textilmotten Brombeeren die Katastrophe - egal welcher Art sie sein wird - überleben. Brombeeren sind die Pest. Sie wachsen wie verrückt, die Äste werden so dick wie eine vollgefressene Anaconda und sie verwirbeln sich in alles, dem sie nahe kommen. So zum Beispiel einer Thuja Hecke. Furchtbar. Selbst wenn man es schafft, einen Ast zu kappen, ist das nur die halbe Miete, denn man muss den Strang und alles was noch dran hängt aus dem Gebüsch zerren, was der Geburt eines widerwilligen Oktopus wahrscheinlich sehr nahe kommt. Wenn sich das Gestrüpp schließlich löst, gilt es, sehr aufzupassen, denn es kommt wie ein gespanntes Gummi direkt auf einen zugeschossen. Eine Brille ist also Pflicht, lange Kleidung auch, denn ansonsten hat man sehr viele sehr stachelig-hakelige Teile am Körper, die schmerzen und auch fieselig beim Entfernen sind. Wer sowas hat, sollte auf den guten alten Ganzkörperlatexanzug zurückgreifen. Das ist perfekt! Gut, die Nachbarn schauen wahrscheinlich etwas konsterniert, aber da muss man durch, wenn man die Brombeerentfernaktion unbeschadet überstehen möchte.

Leider mangelt es bei mir neben Ganzkörperlatexanzug auch an einer brauchbaren Leiter. Meine ist ein bisschen wackelig, was auf holprigem Boden doppelt heikel ist. Somit komme ich nicht bis ganz nach oben bei der Hecke, zumal da auch sehr dicke Äste sind, die meine Heckenschere an ihre Grenzen bringen. Somit habe ich gestern den unteren Part einigermaßen in Form gebracht, oben die Äste und Brombeerauswüchse entfernt, an die ich einigermaßen kam, aber den Rest musste ich noch stehen lassen. Somit sieht die Hecke nun aus wie der aktuelle Frisurentrend bei männlichen Teenies. Diese Alpakafrisur, die unten relativ kurz und in Form ist, aber oben quasi wild rauswuchert. Ich habe also eine jugendlich-frische Hecke. Aber auch nur noch bis zum Nachmittag: Da kommt ein Teleskop-Entaster zum Einsatz, mit dem ich auch auf höchster Ebene für Ordnung sorgen kann. Das wäre was für Friedrich Merz - Ordnung auf höchster Ebene schaffen. Ginge tatsächlich auch in seinem Fall mit dem Teleskop-Entaster, das Ding ist sehr scharf und der Akku frisch geladen, aber ich denke, das wäre illegal und wir sind ja nicht bei den Amis, wo das Landesoberhaupt mit solchen Aktionen durchkommen würde.

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