Mittwoch, 16. November 2011
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Da ist man schon jahrelang im Web unterwegs, hat dies und das gesehen, erlebt, getan, gediest und gedast und dann das: der nun nicht wirklich webafine Vater taucht in einem Wikipedia-Artikel auf. Das Wort "Niederlage" erreicht eine neue Dimension.

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Dienstag, 15. November 2011
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Im Briefkasten die Postwurfsendung eines Maklerunternehmens. "An die Anwohner" steht im Empfängerfenster. Eine Einladung zur offenen Besichtigung. Man hat um die Ecke gebaut und weil man ja nett ist, offeriert man die Immobilie erstmal der Nachbarschaft. Konkret geht es um ein freistehendes Familienhaus im Grünen. Die Eckdaten lesen sich imposant und entsprechend ist der Preis: 820000 Euro. Ich habe eben mal online mein Konto gecheckt. Hm. Ich glaube, ich nehms nicht. Dankenswerterweise wohnt die Tochter Satans weit weg. Bei ihr würden die Überlegungen weit über das "Hm" hinausgehen.

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Montag, 14. November 2011
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Die Raucherdiskriminierung erreicht neue Dimensionen: eine Mini-Raucherkabine für die gesamten drei Terminals, direkt neben den Toiletten in eine widrige Ecke gepfercht und als Gipfel der Verhöhnung grinsen einen darin Raucherentwöhnungsnikotinkaugummiwerbeplakate an. Gleich drei Stück (für jedes Terminal eins). Frechheit. Es gab wohl auch ein Restaurant mit Raucherbereich, aber das war, wenn ich das richtig gesehen habe, ein französisches Restaurant. So sehr kann man gar nicht auf Entzug sein.

Stattdessen in ein deftig-urig angehauchtes Restaurant. Nicht zum essen, und das ist einem dann ja immer peinlich. Nein, danke. Keine Karte. Nur einen Kaffee. Dazu den leicht genervten Blick des Personals. In diesem Fall kein Problem: es gab ein technisches Problem in der Küche, weshalb diese kalt blieb. Perfekt. Naja, nahezu perfekt, weil "Rauchen verboten". Durch die ausgefallene Küche blieben anscheinend auch die Gäste weg, ich war so gut wie alleine dort. Das Personal schwelgte derweil an der Theke in Erinnerungen an die isländische Aschewolke. Das war wohl ein großes Fest für die terminalinterne Gastronomie. Heute hats nicht geklappt; der Nebel war dann doch nicht zäh genug und sowieso wäre die Küche ja eh nicht einsatzbereit gewesen.

Nachdem ich gehört hatte, dass Bratislava gar nicht weit weg ist, sondern quasi um die Ecke liegt, musste ich die ganze Zeit an Hostel (der gar nicht in Bratislava spielt, aber trotzdem) denken und tatsächlich waren da plötzlich ganz viele Halbschönheiten mit dem gewissen heroinesquen Touch. Dafür kein Hostel in nächster Nähe und ich somit in Sicherheit. Osteuropäische Schönheiten (und Halbschönheiten) erkennt man übrigens als osteuropäisch. Keine Ahnung wieso. Vielleicht ist es das letzte Quentchen, dass dann doch zur finalen Eleganz fehlt, vielleicht ist es eine andere Sorte Make-up. Eventuell könnte es natürlich auch die Sprache sein.

Die Sitznachbarin (dankenswerterweise mit einem freien Platz dazwischen) erkannte man auch an der Sprache. Nirgends klingt "Bussi" so schön wie bei Wienern. Sie sagte das nicht zu mir, sondern zum Freund am Telefon, der sie schon sehnsüchtig erwartet. Hoffe ich mal, sie hält es nämlich fast nicht mehr aus. Wie man mit solchen Fingernägeln ein iPhone bedienen kann ist mir auch schleierhaft, funktioniert aber anscheinend.

Ach ja: Tomatensaft wurde - natürlich - auch bestellt. In der Reihe vor mir, zusammen mit einem Monatsvorrat an Gummibärenkram, Wasser und Chips. Letzteres hätte mich ja auch angemacht, aber nachdem meine Nahrungsaufnahme an diesem Tag bis zu diesem Zeitpunkt aus einem Fehlkauf an der Terminalbäckerei (Ein Pseudolaugenbrötchen mit Schinken und Kraut(!). Ich habe das als Körnerbrötchen mit Schinken angesehen und per Fingerzeig bestellt. Ein Fehler), der auch nur halb gegessen wurde, wollte ich mir den zwar unverhofften, aber dennoch willkommenen Diättag nicht noch verderben.

Bei der Landung hat übrigens keiner geklatscht. Das gibt mir den Glauben an das Gute im Menschen dann doch zum Teil wieder zurück.

* teilweise am Nachmittag analog auf Papier vorgebloggt

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Sonntag, 13. November 2011

Ganz dekadent habe ich ja zwei neue Rechner. Naja, so neu sind beide mittlerweile auch nicht mehr, aber sie gehen als nahezu neu locker durch. Und wie bei allem was neu ist, nimmt man sich vor, dieses wundervolle Objekt zu hegen und zu pflegen und viel viel besser zu behandeln als alle seine Vorgänger. Im neuen Auto wird keinesfalls geraucht (hielt fast ein Jahr), das neue Motorrad wird mindestens alle zwei Monate geputzt und gewartet (hüstel), die neue Frau kriegt einmal die Woche Blumen (was für eine Frau?) und der Desktop der neuen Rechner wird niemals nie zugemüllt, sondern immer blitzblank bleiben. Tja. Mittlerweile kann man das Hintergrund auch nur noch erahnen und dank Pseudoaufräumens gibt es mittlerweile nicht nur sehr viele Dateien, die da rumliegen, sondern dazu noch zwei Ordner namens "Desktop"+Datum, in denen nochmal soviel Kram liegt. Es sollte eine Putzfrau für den Rechner geben, die einem den ganzen Mist irgendwohin sortiert (am Besten so, dass man es auch wieder findet... wobei... ich wüsste nicht, dass ich je wieder etwas in den "Desktop"+Datum-Ordnern gesucht hätte) und auch mal durchwischt. Hätte dann Vorteil, dass man, wie bei der Putzfrau zuhause, die ganzen Dinge, die sie nicht sehen soll schon mal freiwillig an sichere Orte bringt. Damit wäre wahrscheinlich auch der Großteil der Arbeit schon erledigt.

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Sonntag, 13. November 2011
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Wir haben hier am Ort eine Lotto-Annahme-Stelle. Es ist kein Kiosk. Es wird dort nichts verkauft außer Lottokram. Ein seltsames Geschäftsmodell, falls man überhaupt von einem Geschäft reden kann. Wahrscheinlich werden da obskure Drogengelder gewaschen oder sonstige krumme Dinger gedreht. Keine Ahnung, ich war noch nie drin. Durchs Schaufenster sieht man die diversen Lottoscheine in einem Regal und einen Stehtisch. Den meisten Platz nimmt ein großer, runder Tisch nah am Schaufenster ein. Gestern morgen kam ich in den Genuss, da um ca. 8 Uhr vorbeizufahren und siehe da: volles Haus. Beziehungsweise voller Tisch. Wer da nun genau saß habe ich nicht gesehen, aber dass das eine Bierflasche war, was sich einer der Gäste genüßlich hinter die Binde kippte, konnte ich sehr wohl erkennen. Nun hat dieser Laden mit Sicherheit keine Ausschankgenehmigung und wir sind nicht im Rheinland, wo das mit den Büdchen irgendwie anders geregelt ist. Aber auch hier stört das niemanden. Würde kontrolliert werden, ginge das als Privatfete durch und tatsächlich sind die Leute, die dort verkehren, auch alle irgendwie auf die eine oder andere Art miteinander verwandt.

Heute morgen kam ich wieder dort vorbei und diesmal habe ich eine Person erkannt. Er ist mit mir über ein paar Ecken verwandt. Ich wäre also legitimiert, könnte mich zum geselligen Beisammensein am frühen Morgen einfinden, mir ein Bier reinziehen und über die diversen tagesaktuellen Meldungen der Bild-Zeitung diskutieren. Pah, und ich dachte immer, ich hätte keine Perspektive...

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Oh Gott, Martinsumzug verpasst. Vorteil: immer noch einen ganzen Mantel und mir ist nicht schlecht von Martinsmann und Glühwein und in Pferdeäpfel bin ich auch nicht getreten. Passt.

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