Montag, 22. Juni 2026
Entschleunigt

Nachdem er sich tagsüber nicht hat blicken lassen, kommt Brian am Abend doch noch zu Besuch. Man hat ihm berichtet, dass dort etwas Leckeres auf ihn wartet, das hat ihn schließlich überzeugt. Wo er die Nacht verbringt ist unklar, vielleicht ist er in der Nacht nochmal da, am Morgen aber ist von Brian weit und breit nichts zu sehen. Als ich aus dem Waschhaus komme, sehe ich ihn vorbeilaufen. Er dreht den Kopf, wartet auf mich, dann laufen wir zusammen zum Schlafwagen. Er bleibt vor der Tür stehen, ich komme nur schwer an ihm vorbei. Das Versprechen, dass ich nur kurz reingehe, um ihm etwas Leckeres zu holen, besänftigt ihn kurz. Natürlich halte ich mein Versprechen, platziere die Leckerlis aber auf einen Stein, ein paar Schritte weg. Ansonsten habe ich keine Chance ohne ihn in den Wagen zu kommen. Als ich die Fenster des Wagens schließen möchte, liegt Brian schon wieder vor der Tür und wartet auf Nachschub. Er wird sich etwas gedulden müssen.

Neben Brian, dem Kater gibt es auch noch Tiger, eine äußerst agile Hundedame, die auch schon mit Leckerlis bestochen wurde. Auch sie bleibt in der Nähe, wenn Nahrung im Spiel ist, braucht sicher auch viel davon, denn bei dem exzessiven Schwanzgewedel und Herumgespringe geht einiges an Energie drauf.

Die Vermieter sind liebenswert verschroben und verpeilt. Selbstversorger ohne Überzeugungsanspruch. Künstler ohne Drang nach Aufmerksamkeit. Alles läuft hier ein bisschen langsamer. Oder wie es neudeutsch heißt: entschleunigt.

Übernachtet wird in einem alten Planwagen, alles sehr minimalistisch (kein Fernseher, kein WLAN, noch nicht mal stabiles Netz) und zeitgleich voller Dinge zu entdecken. Eine Tapete an der Planwagendecke voller Käfermotive, ein Lichtlein hier, ein Lichtlein dort, diverse Vorhänge, Decken, Kissen und Tücher. Farben- und lebensfroh.

Das Frühstück ist exzellent. Vegetarisch natürlich. Sogar der Black Pudding, der vegetarisch besser schmeckt als die Echtblutvariante.

Nach etwa zwei Kilometern durch Wald und Wiese ist man wieder in der Zivilisation. Nochmal ein Kilometer mehr und das mobile Internet ist zurück. Und man selbst ist... entschleunigt.

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